Geschichte

Die „Germania“ in den Jahren vor der Gründung

Der Begriff Germania erscheint 98 n. Chr. zum erstenmal in der ethnographischen Schrift „Germania“ des roemischen Historiker Tacitus und beschrieb das nördlich des Limes gelegene Land der als germanisch geltenden Stämme. Ein Gebiet und Verbund miteinander verwandter und untereinander verfeindeter Stämme. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Germania eine Frauengestalt in der Kunst an.

Die Darstellung der Germania in der wechselvollen deutschen Geschichte vor der Gruendung der Frankfurter Rudergesellschaft wurde von der herrschenden Anschauung der jeweiligen Epoche oder von den Intentionen des jeweiligen Auftraggebers bestimmt. Von der liebevollen Germania mit Italia 1828 in der Spätromantik von Friedrich Overbeck, über die im Schatten sitzenden Germania von 1836, von der im Aufbruch der Befreiungsbewegung der deutschen Revolution stehenden Germania von 1848 und 1849, über die Wacht am Rhein 1860 im Vorfeld der französischen Kriege, das Bildnis der Germania spiegelte den Zeitgeist der Zeit wider oder wurde von seinen Auftraggeben zur Beeinflussung dessen eingesetzt.

Friedrich Overbeck, 1828, Italia und Germania

Philipp Veit, 1834-36, Germania

Philipp Veith, 1848, Germania – National versammlung

Christian Koehler, 1849, Erwachende Germania

Lorenz Clasen, 1860, Germania auf der Wacht am Rhein

Heute wäre das Bildnis der Germania gekennzeichnet von Freiheit, Frieden und Wohlstand. Werte die keine Selbstverständlichkeit sind und durch Verantwortung, Leistung und Erfolg eine Chance auf Fortbestand erhalten.

Die Gruendung der Frankfurter Rudergesellschaft Germania

Die Frankfurter Bootswerft Carl Leux entschloss sich auf Grund zunehmender Beliebheit um 1864 Dollenboote zu bauen und sie an Jugendliche zu vermieten. Am 15. Juli 1869 verabschiedeten zwei Rudercliquen eine gemeinsame Satzung und schuffen die Frankfurter Rudergesellschaft. Nach dem Anschluss von zwei weiteren Frankfurter Rudervereinen in 1872/74 erhielt die Germania ihren heutigen Namen: Frankfurter Rudergesellschaft Germania von 1869 e.V.

bootstaufe historisch

Die Germania gehört zu den ältesten Rudervereinen Deutschlands und ist seit ihrer Gründung eine treibende und gestaltende Kraft im deutschen Rudersport. 1882 war es die Germania die zu einer Regatta und damit zu dem ersten deutschen Meisterschaftsrudern einlud. Auf dem im selben Jahr stattfindenden 1. deutschen Rudertag initierte die Germania die Gruendung des Deutschen Ruderverbandes. Auf Antrag der Germania befuerwortete der Rudertag die Gruendung eines „Central Ruder Ausschusses“ mit der Massgabe die Vorarbeiten zur Gruendung eines Ruderverbandes zu erbringen. In 1883 wurde dann die Gruendung des Deutschen Ruderverband vollzogen. Es ist der Initiative des damaligen 1. Vorsitzenden Freiherrn Alfons v. Mumm zu verdanken, dass unser damaliges Gesellschaftshaus in 1884 am Schaumainkai 65 errichtet wurde. Auf der Mitgliederliste der ersten Jahrzehnte stehen viele große Frankfurter Namen: von Bethmann, von Metzler, Oppenheimer, Binding, Henninger, Brüning oder Familie von Opel. In den Gremien waren Persönlichkeiten wie Oberbürgermeister Adickes, Philipp Holzmann oder Wilhelm Merton vertreten. Daneben zählten viele Frankfurter Industrielle, Mittelständler und Handwerker zu den Mitgliedern. Somit war die Germania von Anfang an ein lebendiger Teil des Frankfurter Sport- und Gesellschaftslebens.

Die Germania hat in ihrer Geschichte eine ganze Reihe erfolgreicher Ruderer hervorgebracht: Neben erfolgreichen Mannschaften im Zweier, Vierer und Achter gehört die Germania zu den erfolgreichsten Vereinen bei den deutschen Meisterschaften im Einer. Achilles Wild wurde 1882 der erste Deutsche Meister im Rudern – auf einer 2500 Meter langen Strecke auf dem Main an der Frankfurter Gerbermühle unter den Augen von tausenden Zuschauern. Die Germania stiftete damals mit dem „Diamantstern“ auch den Preis für den „Meister von Deutschland“, in dessen Anlehnung noch heute dem Sieger im Männer-Einer auf der Deutschen Meisterschaft die „Meisterkette mit Brillantstern“ verliehen wird. Nachdem Achilles Wild die deutsche Meisterschaft mit 1884 bis 1888 dreimal in Folge gewann, ging der Herausforderungspreis an Achilles Wild. Er ist heute im Besitz der Germania und wird zu feierlichen Anlässen gezeigt. Der deutsche Ruderverband stiftete 1887 die Goldkette mit Brilliantstern und Plakette, die noch heute jährlich dem Meister von Deutschland ueberreicht wird. Den Ruderern der Germania wurde in den folgenden Jahren noch mehrmals diese Goldkette umgehängt.

Diamantstern mit Smaragden und Goldkette mit Brilliantstern und Plaketten

Achilles Wild, Meister von Deutschland 1882, 1884 -1888

Marcel Hacker,  Deutscher Meister, 1999, 2001-2002, 2008 – 2011, 2013-2014