Hans-Joachim “Hanjo” Schreiber † 22.12.2017

Kurz vor Jahresende muss die Germania mit dem Verlust des Ehrenvorsitzenden Hans-Joachim  Schreiber einen weiteren Schicksalsschlag verkraften. „Hanjo“ Schreiber,  einer der größeren Führungspersönlichkeiten Deutschlands und einer der Größten der Germania, starb am 22. Dezember im Alter von 85 Jahren. Wir sind sehr betroffen. Schon länger verhinderte eine Krankheit, dass Hanjo an Feierlichkeiten im Verein teilnehmen konnte. Wir hätten uns  gewünscht, unsere Dankbarkeit ihm persönlich in der Germania und im Kreise seiner Ruderkameraden ausdrücken zu können.

 

Für viele von uns war Hanjo übergroß und in seinen Erfolgen unerreicht. Ein Siegertyp mit Format, ein großzügiger Mäzen und Mentor, ein verlässlicher Freund und Bootskamerad, schlicht eine Führungspersönlichkeit, wie man ihnen  selten im Leben begegnet.

Hanjo wurde am 25. Januar 1932 geboren und trat in 1946 als 14-Jähriger in die Germania ein. Bereits 1949 wurde Hanjo mit Wolfgang Metzger Deutscher Jugendmeister im Doppelzweier. Auf den Regattaplätzen war Hanjo ein gefürchteter Gegner. Sein Siegeswille war enorm und spornte viele seiner Bootskameraden zu überdurchschnittlichen Leistungen an. Mit Bewunderung und Ehrfurcht erzählen nachfolgende Generationen von Jugendlichen die Geschichten von Hanjos Rennsportkarriere. Man wollte es ihm nach machen und blieb dennoch in vielem zu kurz. Seine liebe Frau Helga, selbst eine erfolgreiche Ruderin, lernte er in dieser Zeit kennen.

 

Die Nachkriegs- und Aufbauzeit in Deutschland war für Hanjo prägend. Die Kameradschaften und Freundschaften, die Hanjo in seiner Jugendzeit in der Germania schloss, und seine Familie gaben ihm das Rückrad, im beruflichen Leben große Herausforderungen zu meistern. Sein Selbstvertrauen und der sich schnell einstellende Erfolg gaben ihm die Sicherheit, sich immer größeren Aufgaben zu stellen. Seine Fähigkeit Risiken zu erkennen, einzuschätzen und gewinnbringend  für seine Ziele einzusetzen, waren die Basis für eine der größten und erfolgreichsten deutschen Geld, Währungs und Edelmetall Händlerkarrieren. Man kannte Hanjo in den Finanzzentren der Welt. Weltweit wurden in Händlerkreisen, ähnlich wie in der Germania, Hanjo’s Geschichten mit Bewunderung und Ehrfurcht noch weit nach seiner aktiven Zeit erzählt. 1980 lobte Hans Friderich, Vorsitzender der Dresdner Bank, seinen Vorstandskollegen Hanjo: “Reden ist Silber, Schreiber ist Gold.”

 

Seine Freunde und die Germania hat er nie vergessen. Ihnen blieb er immer verbunden. 1974, in einer der schwärzesten Stunden der Germania, übernahm Hanjo ohne Zögern die Verantwortung im Vorstand. Innerhalb von wenigen Jahren drehte er die Frankfurter Institution Germania, die mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfend ins Mittelmaß zu fallen drohte, um. Eine moderne Organisation, eine nach vorne gerichtete Strategie, die Kooperation mit der Dresdner Bank, der Neubau über der Bootshalle sind die bekannten Meilensteine seines Wirkens. Weniger bekannt sind die vielen großzügigen Unterstützungen, die Hanjo ohne großes Aufheben der Germania und ihren  Athleten hat zukommen lassen. Lange holten die Germania-Männer Siege auf der Hessenmeisterschaft, im Ebbelwoi-Achter und auf anderen Wettkämpfen im Empacher-Achter „Hanjo Schreiber“, der von ihm gespendet worden war. Viele Athletenkarrieren wären ohne ihn nicht möglich gewesen. Mit grossem Weitblick stimmte Hanjo einer Satzungsänderung zu und die Germania nahm 1976 ihr erstes weibliches Mitglied auf. Die Germania würde es ohne Hanjo heute so nicht mehr geben. Auf Grund seiner einzigartigen Verdienste wählte die Germania vor 17 Jahren Hanjo zu ihrem Ehrenvorsitzenden.

 

Hanjo hinterlässt seine liebe Frau Helga, Sohn Frank und Tochter Nicole sowie sechs Enkelkinder. Wir trauern mit der Familie Schreiber und den vielen Freunden um den großen Verlust.