Interview mit Nico Merget

Nico Merget hat im März seinen Lebensmittelpunkt nach Dortmund verlegt, um sich ins Team Deutschlandachter zu kämpfen und so seinen Traum von Tokio 2020 zu ermöglichen. Wir haben nach seinem erfolgreichen sechsten Platz auf der Deutschen Kleinbootmeisterschaft mit ihm gesprochen.

Hallo Nico, wie geht es dir aktuell und wie schätzt du deine Form ein?

Hallo, aktuell geht es mir sehr gut. Ich bin körperlich sehr fit. Natürlich hat jeder Ruderer immer
kleine Beschwerden aber die werden von unseren Physiotherapeuten super behandelt. Ich denke meine Form könnte kaum besser sein. Ich habe viele neue Dinge in Dortmund gelernt und die letzten Ergebnisse spiegeln meine aktuelle Form wieder.
Du wohnst seit diesem März in Dortmund. Was hat sich für dich und deinen Alltag verändert?
Ja, seit März bin ich aus dem schönen Frankfurt nach Dortmund gezogen. Da wir sehr viele Ruderer in Dortmund sind, ist alles sehr durchgetaktet und die Trainings-, Essens- und Physiotherapeutenzeiten immer klar festgelegt. Die größte Veränderung in meinen Alltag ist, dass ich neben dem Rudern viel weniger Verpflichtungen habe, sodass ich viel Zeit für meine Erholung nach dem Training habe.
Du trainierst zum ersten Mal alltäglich mit so einer großen Truppe. Spornt dich das an oder trainiert man trotzdem immer mehr für sich als für das Team?
Es ist ja nicht das erste Mal, dass ich in einer solchen großen Gruppe trainiere. Der wesentliche
Unterschied der Gruppen der FRG und hier in Dortmund ist, dass ich nur mit schweren Riemern
zusammen trainiere und ja, es spornt einen sehr an. In jedem Training sieht man seine direkten
Konkurrenten und kann sich andauernd vergleichen. Auch das Trainieren mit den Ruderern die aktuell im Deutschlandachter sitzen ist sehr gut für mich; man lernt viel und hat immer direkt sein Ziel vor Augen.
Ich denke man trainiert nie für sich selbst. Entweder man trainiert für das ganze Team
Deutschlandachter, damit man sich gegenseitig nach vorne bringt oder für die jeweilige Bootsklasse,
die man auf die nächste Regatta vorbereitet.
Wie sahst du die Zeit vor der DKBM, in der Du und Malte nicht für die Trainingslager berücksichtigt wurdet?
Es war eine sehr aufregende Zeit. Es war alles neu. Malte und ich wussten, dass wir nur noch diese
eine Möglichkeit hatten uns für die Weltmeisterschaft zu empfehlen. Wir waren hoch motiviert,
konnten aber mit einer gewissen Leichtigkeit trainieren, da keiner mit uns rechnete. Das wir nicht mit ins Trainingslager genommen worden sind war ein ziemlicher Rückschlag, aber im Nachhinein war es für die Vorbereitung auf die DKBM vielleicht sogar ein Vorteil. Wir konnten uns jeden Tag voll auf uns und auf die eine Bootsklasse konzentrieren.
Auf dem Frühtest wurdet ihr sensationell sechster. Hat euch persönlich das Ergebnis überrascht und wie habt ihr den Wettkampf erlebt?
Das Ergebnis war eine riesige Freude für Malte und mich. Wir wussten durch die vielen Test vor der
Deutschen Meisterschaft, dass wir nicht langsam sind und die andern mit uns rechnen mussten. Die
vorigen Tests zeigten aber auch, dass das Männer Riemen Feld sehr stark und eng zusammen sein
würde. Natürlich hatten wir unser Ziel
A-Finale, wussten aber auch wie schwer das
werden würde, gerade nach dem wir am Freitag bei unserem ersten Rennen mit einem
durchschnittlichen Rennen nur zweiter geworden waren. Für mich ist das erste Rennen immer ein sehr wichtiges, da ich merke, ob alles funktioniert und natürlich will man sich ein bisschen
Selbstbewusstsein holen und gewinnen. Malte und ich wussten also, dass wir uns am Samstag

steigern mussten um unser Ziel zu erreichen. Am Samstag drehte der Wind auf Mitwind. Das kam uns als ein eher leichter Zweierwas entgegen. Ziel war

es mindestens dritter zu werden, um so ins Halbfinale der besten Zwölf einzuziehen. Wir hatten ein
super Rennen und konnten die Fehler vom vorigen Tag abschalten und kontrolliert ins Halbfinale
einziehen. Das Halbfinale ist nur wenige Stunden später an diesem Tag gewesen und der Druck war
groß. Wir wussten wir könnten es schaffen.Vor dem Halbfinale waren wir schon sehr nervös und verpassten fast unsere Startzeit. Wieder war es das Ziel mindestens dritter zu werden, um ins A Finale einzuziehen. Wir hatten ein super Rennen und konnten bei 400m vor dem Ziel schon etwas Druck rausnehmen, da wir genug
Vorsprung auf den Viertplatzierten hatten. Nun war unser Ziel erreicht und jeder Platz, den es weiter
nach vorne geht, wäre super. Leider haben wir am Finaltag nicht zu unserem Rhythmus gefunden und lieferten kein gutes Rennen ab und wurden schließlich sechster im Finale. Kein Ruderer will sechsterwerden in einem Finale. Dementsprechend war die Enttäuschung im ersten Moment  groß, aber einer muss im Finale sechster werden.
Du hast dich in diesem Jahr mit deiner Ergobestzeit stark verbessert. Hast du etwas an deinem Training geändert/verbessert oder wie erklärst du dir diese Steigerung?
Das Ergo war in den letzten Jahren immer eine große Baustelle von mir. Da das Ergo viel Kopfsache ist, habe ich meine Vorbereitung unmittelbar vor dem Test umgestellt. Ich bin von der Einstellung „du musst jetzt Bestzeit fahren“ zu “du kannst jetzt Bestzeit fahren“ umgestiegen, was mich sehr viel
lockerer gemacht hat und das war – so denke ich – der Schlüssel zu dieser Zeit.
Ist dein Ziel für 2020 der Achter oder eine andere Bootsklasse?
Das Ziel Olympia ist ein sehr großes und schwer zu erreichendes Ziel. Ich habe mir gesagt, dass ich mir keine Bootsklasse aussuchen möchte, auf die ich hintrainiere. Ich genieße die Zeit auf dem Weg hin zu Olympia, versuche mein Allerbestes zu geben und will unbedingt mit dabei sein. Ob und in
welchem Boot, das kann und will ich auch nicht sagen.
Vorgestern wurden die Besetzungen für das Team Deutschlandachter vorgestellt. Wir haben erfahren, dass der Achter bereits fest ist, während ihr noch um 4er und 2er kämpfen könnt und müsst. Wie siehst du deine
Chancen in den Bootsklassen und für die entscheidende Hügelregatta?
Die Vorstellung war meine erste Teamvorstellung mit dem Team Deutschlandachter und es war ein
sehr schöner Tag. Es war gut, um mal aus dem Trainingsrhythmus etwas rauszukommen. In Essen
fahren wir verschiedene Vierer Kombinationen und Malte und ich müssen uns nochmal am Sonntag
im Zweier beweisen. Die Chancen sind sehr schwer einzuschätzen, da alle Vierer sehr schnell sind und ich ein dichtes Feld erwarte. Ich denke aber, dass mein Vierer ein schneller Vierer ist und hoffentlich etwas schneller als die anderen ist. Wir werden es sehen und am Ende werden es die Trainer entscheiden.
Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg in deiner restlichen Saison!!
Nico Merget (links) mit seinem Partner Malte aus Rostock