Katrin Thoma im Interview

Katrin Thoma wird als eine der erfolgreichsten Athletinnen in die Geschichte der FRG Germania eingehen. Nachdem sie bereits an drei Worldcups in diesem Jahr teilnahm, haben wir mit ihr gesprochen.

 

Katrin, Glückwunsch zu Bronze in Luzern. Warst du/ihr zufrieden mit dem Ergebnis?

Ja, wir waren zufrieden mit dem Ergebnis, was wir uns wirklich bis auf den letzten Meter erkämpfen mussten. Nach dem Bahnverteilungsrennen hatten wir gehofft, im Finale näher an die Chinesinnen ranfahren zu können, aber uns war auch klar, dass die Konkurrenz sehr stark und teilweise auch schon über Monate eingefahren ist. Wir selbst saßen nur 8 Tage gemeinsam im Boot bevor die Rennen begannen.

Das Rennen war sehr knapp bis auf die Ziellinie? Wie hast du es erlebt?

Es war wirklich ein sehr enges Vierer Rennen. Fast die gesamte Strecke über lagen die Boote innerhalb einer Länge. Unsere Stärke war sicherlich die Start- und Nachstartphase, aber auch dort konnten wir uns nicht absetzen, wie es im Bahnverteilungsrennen der Fall war. Auf den dritten 500m sind wir dann ruderisch etwas auseinandergefallen, was die Däninnen und die Britinnen für einen starken Spurt genutzt haben. Zum Glück konnten wir uns mit dem Endspurt doch wieder in die Medaillenränge fahren und die Bronzemedaille gewinnen.

Du warst dieses Jahr auf drei Worldcups in drei verschiedenen Booten? Wie war diese Erfahrung für dich ?

Für mich ist dieses Jahr ein ganz besonderes Jahr, da ich zum ersten Mal auf den Weltcups starten durfte. Der erste Weltcup in Belgrad im Doppelzweier war auch gleichzeitig mein erster internationaler Auftritt im Olympischen Bereich der A-Mannschaft. Leonie und ich hatten die internationale Hügelregatta in Essen souverän gewonnen und sind deshalb und aufgrund der Einerergebnisse nominiert worden. Die extrem starke Konkurrenz der anderen Zweier auf dem Weltcup hat mich dann doch etwas umgehauen. Da geht bei 1000m das Rennen erst so richtig los und im Endspurt kann auch eine Führung von zwei Längen noch übersprintet werden. Im B-Finale hatten wir durch die drei Rennen zuvor schon einiges an Erfahrungen gesammelt, sodass wir mit einem knappen 8. Platz und einem schnellen Rennen sehr zufrieden waren.

Leider musste ich in Linz im Einer aufgrund eines Fieberinfekts abmelden, was mich sehr enttäuscht hat.

In Luzern war ich dann im Doppelvierer am Start, die Stimmung im Boot war super und für nur eine Woche Training haben wir das maximale aus uns herausholen können. Insgesamt war es toll, die Weltcups zu fahren, Erfahrungen zu sammeln und sich selbst zu steigern. Es war aber auch eine sehr anstrengende Zeit mit ständigem Reisen und so gut wie keiner Pause.

 In welcher Bootsklasse würdest du am liebsten auf der EM/WM starten?

Im Doppelzweier, da er unsere Olympische Bootsklasse ist und auch gleichzeitig meine Lieblingsbootsklasse. Natürlich ist es im Zweier deutlich schwieriger ins Finale oder gar um Medaillen mitzufahren, aber die extrem starke Konkurrenz und die engen Rennen machen diese Bootsklasse eben auch so besonders.

Du wurdest dieses Jahr zweitschnellste Einerfahrerin im Leichtgewichtsbereich. Warst du selber von dir überrascht oder wusstest du vorher, dass du ganz nach vorne fahren kannst?

Von mir selbst überrascht würde ich nicht sagen, denn ich denke man kann nur vorne mitfahren, wenn man sich seiner Stärken und Leistungsfähigkeit bewusst ist. Ich habe bei diesem Wettkampf von Rennen zu Rennen gedacht. Das große Ziel war natürlich schon ins Finale zu fahren und dort nicht Letzte zu werden. Als ich dann im Halbfinale als Zweite mit einer echt schnellen Zeit über die Ziellinie fuhr, dachte ich schon: Und morgen holst du dir die Medaille. Bei mir hat halt alles gepasst an diesem Wettkampf und ich bin sehr dankbar darüber, dass ich nach der Verletzung im letzten Jahr dieses Jahr wieder richtig fit bin. Die Konkurrenz sowohl in unserer Trainingsgruppe als auch deutschlandweit trägt dazu bei, dass man immer wieder an seine Grenzen geht und diese auch neu austestet und erweitert. Mit Leonie habe ich die Deutsche Meisterin bei jeder Trainingsbelastung im direkten Vergleich und kann so meine Leistung auch besser einschätzen.

Was sind deine Ziele für dieses Jahr und für die nächsten Jahre bis 2020?

Wir haben jetzt erstmal die EM vor Augen, wo wir unser Bestes geben werden und uns von Rennen zu Rennen steigern wollen. Unser Ziel ist es unter die besten 7 zu fahren und wir werden sehen, wie es dann läuft. Die EM ist dieses Jahr im Rahmen der European Games und sicherlich ein tolles Ereignis. Wie genau wir dann auf der WM an den Start gehen werden, ist noch nicht entschieden. Für das Jahr 2019 und 2020 wünsche ich mir gesund zu bleiben, meine individuelle Leistung steigern zu können, weiterhin so viel Spaß und Kampfgeist für diesen Sport zu empfinden und dann wird sich zeigen, wohin die Reise gehen kann. Ich bin froh, dass ich diese Saison im Einer so stark war und mit unserer Vereinskollegin Leonie den Deutschen Doppelzweier für die EM stelle.

Eine letzte Frage: Du bist seit so vielen Jahren auf internationalen Wettkämpfen unterwegs, wurdest Weltmeisterin und hast nahezu jede Regattastrecke erlebt. Bist du immer noch aufgeregt vor den Rennen oder wird das zur Routine?

Nein ich bin immer noch aufgeregt, teilweise sogar sehr, ich habe aber gelernt, die Aufregung in positive Motivation umzuwandeln und vor allem den Fokus nicht zu verlieren. Früher als Juniorin war ich oft so aufgeregt, dass ich die Rennen gar nicht richtig fahren konnte. Das habe ich jetzt überhaupt nicht mehr. Rudern macht so viel Spaß und auch aus vermeintlichen Niederlagen kann man viele wichtige Erfahrungen mitnehmen.

Vielen Dank Katrin!