Weltcup Poznan – Rennbericht von Stephan

Am letzten Wochenende fand in Poznan der Zweite von drei WeltCups statt. Mein Partner Tim Ole und ich waren mit einer etwas schwierigen Vorbereitung in die Europameisterschaft gestartet. Dementsprechend war der dortige siebente Platz einigermaßen akzeptabel.

Aber eben doch nicht unseren Ansprüchen genügend.

Deshalb haben wir in den zwei Wochen, die wir als Vorbereitungszeit für den WeltCup in Poznan Zeit hatten, versucht neben der Verbesserung unserer physiologischen Leistungfähigkeit eben auch nochmal insbesondere unsere Sprintfähigkeiten auf die Sprünge zu helfen. Wir haben daher in vier unserer über 20. Einheiten in der Zeit Sprints trainiert. Das sah so aus dass wir pyramidenmäßig die Sprintdauer verlängert haben. Ziel sollte es sein so schnell wie möglich und so sauber wie möglich die Sprints zu bewältigen. Wir fingen mit 20 Sekunden Sprint und Schlagzahl 45 an. Dann ging es nach 60 bzw. 90 Sekunden Pause mit 30 und 40 Sekunden Sprint weiter um dann dort angekommen sich wieder auf 30 und 20 Sekunden Sprint runterzugehen.

Je öfter wir das Programm fahren, desto sicherer wurden wir in den hohen Frequenzen. Das war genau das was wir für den WeltCup im Nachhinein gebraucht haben. An dem letzten Wochenende konnten Tim Ole und ich vor allem auf den letzten 250 bis 300 Metern des Rennens Boden gut machen.

Aber nun ein paar Worte zum Wochenende. Da ich bereits seit 2009 nahezu durchgängig Doppelzweier gefahren bin, habe ich etwas Gefühl dafür wie sich gerade diese Bootsklasse entwickelt hat.

Mein Eindruck ist, dass die Leistungsbreite der Boote, die um die Medaillen mitfahren kann enorm gestiegen ist. Es gibt kein Vorlauf mehr bei dem man sich ausruhen kann. Gleich zu Beginn im Vorlauf fuhren wir gegen die Franzosen, die Weltmeister des letzten Jahres und konnten dort gleich unsere Sprintfähigkeiten zu Ende des Rennens testen um die Franzosen hinter uns zu lassen. Ein paar Stunden später ging es dann im Viertelfinale darum uns überhaupt fürs Halbfinale zu qualifizieren. Hinter den sehr starken Australiern wurden wir dann zweiter. Innerhalb von sechs Stunden hatten wir da schon genauso viele Rennen hinter uns wie der Deutschlandachter über das gesamte Wochenende fahren musste. Das Halbfinale an sich hätte von der Qualität der Boote auch schon ein Finale sein können. Bisher hatten wir uns bei allen Rennen am Start gleich an die Spitze des Feldes gelegt. Im Halbfinale misslang aber genau dieser Vorteil unserer Mannschaft, weil Tim Ole bereits beim dritten Schlag einen Krebs gezogen hatte und unser Boot abrupt stand. Ich habe in der Sekunde schon alle Fälle wegfließen sehen. Doch er konnte sich schnell wieder fangen und rief weiter! Also schoben wir unseren Start erneut an, was ziemlich kraftaufwendig war. Bis zur 1500m Meter Marke schafften wir es uns wieder ins Feld ranzuschieben. Mit unserem Sprint auf den letzten 300 Metern fuhren wir dann in allerletzter Sekunde von Platz Vier auf fast Eins vor, weil wir nicht nur die Chinesen überholten sondern auch plötzlich auf Höhe der Briten und Schweizer waren.

Um zu zeigen wie eng sich das Doppelzweierfeld zusammengeschoben hat, genügt ein Blick auf die Qualifikationszeiten der Boote für den Endlauf. Die im Finale fahrenden Boote hatten alle eine Qualifikationszeit von 06:35. Das heißt dass kein Boot wirklich hervorsticht und alles möglich ist.

Genau das sollte das Motto unseres Finales sein. Wir versuchten wie alle anderen Boote auch uns am Start einen Vorsprung zu holen, was nicht so ganz gelang, weil allen anderen ebenfalls super gestartet waren. So schoben sich das Feld aus fünf Booten gemeinsam bis zur 1500m Marke. In dieser Zeit gab es immer wieder Führungs- und Positionswechsel unter den Mannschaften, nur die Litauer, Olympiazweite 2016, fielen zurück. Unser Trainer hatte uns mitgegeben, bei 1600m mit dem Endspurt anzufangen, sollten wir auf Position vier sein. Bis dahin konnte sich kein Boot wirklich lösen, daher versuchten wir auch unser Glück und fingen sehr früh mit unserem Endspurt an und fingen so bis zum Ende noch die Polen ein. Und konnten so zum ersten Mal an dem Siegersteg anlegen. Ich habe mich super über dieses Ergebnis gefreut, da wir uns gegenüber der EM in Luzern gesteigert hatten, sondern darüber noch hinaus die einzige Medaille der schweren Skuller gewonnen hatten.

Ich freu mich auf die nächsten drei Wochen Training und hoffe in der Härte des Feldes beim nächsten WeltCup wieder bestehen zu können und es wieder aufs Treppchen zu schaffen.

 

Euer Stephan