10. BASELHEAD ACHTER-LANGSTRECKE …

Wer von Ihnen, verehrte Leser, ist schon mal gegen Olli Zeitler Regatta gefahren? Ich nehme an, die Wenigsten. Der Männer Masters Achter hatte die Ehre! Aber alles der Reihe nach.
Der alljährlich und mittlerweile in 10. Auflage stattfindende Basel-Head positioniert sich mit scheinbar immer größerem Erfolg als Langstrecken Saisonauftakt für den internationalen Bereich im November. Auf der durchaus attraktiven, mitten in der Stadt gelegenen 6,8 Km langen Rennstrecke, konkurrieren mehr als 100 Achter um den Sieg. Den Veranstaltern gelingt es mit der Unterstützung der lokalen Finanzwirtschaft sowohl für den Elite-Bereich als auch für die Ebene der Masters attraktive Gewinnprämien auszuloben. Und sie werden mit einem internationalen Teilnehmerfeld belohnt.
In diesem Jahr hatte sich ein Masters-Achter der Germania (Brill, Hillen, Pöpplow, Hanfland, Stamati, Abs, Freis, Hock, Strfr. Warnke) der Herausforderung auf der durchaus anspruchsvollen Strecke auf dem stark strömenden Rhein gestellt. Für den Veranstalter ist es eine besondere Herausforderung genügend Sattelplätze an der eng bebauten Uferpromenade anzubieten. Aber man hat Übung und so liegt es nur an den Teilnehmern den zugewiesenen Parkplatz zu finden und lange Tragezeiten für Boot und Mannschaft zum Steg zu vermeiden. Dem Germania-Achter wurde diese Gunst leider nicht gewährt.
Und so kam es, dass wir auf dem langen Wegen zwischen Umkleidemöglichkeiten, Boot und Steg an einem blonden “Modellathleten” vorbei kamen, der sich gerade ein anderes Ruderdress überzog. Allgemeines Geraune, ob dass denn Olli Zeidler sei; nein, so die Meinung aller, der müsse ja größer sein, dass könne er nicht sein, was wolle ein Skuller hier nin Basel. Bertram Hock, selbst 1,98m groß, wollte es genau wissen und als er mit freundlichen Augenaufschlag den Kopf in den Nacken legen musste, um die Frage “Bist Du Olli Zeidler?” zu plazieren, war allen klar: er ist es!
Wie alle Verfolgungsrennen hat auch Basel den Nachteil, dass das Thema Warmfahren nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Zeit des Einsortierens in die Startaufstellung, das Aufreihen und langsame Vorrücken zur Startlinie ist zeitraubend und verdammt einen zur Untätigkeit. Egal, die Anspannung steigt und alle Gegner haben die gleichen Probleme. Die Startlinie naht …… und ab! Es läuft, die Mannschaft und das Boot fühlt sich homogen an. Alle Augen bleiben im Boot und insofern bekommt kaum einer mit, dass wir nach 1000m das erste vor uns liegende Boot überholen. Nur einen Blick erlaube ich mir: Die Kirche am linken Rheinufer will ich mir merken, als Anhaltspunkt für die Rückfahrt nach der Wende, damit man irgendwie weiß, wie weit es noch ist.
Und da überholen wir schon das zweite Boot, das motiviert. Anna Warnke steuert uns souverän, das Boot unter Land haltend, an dem Gegner vorbei. Ich weiß nicht wer es ist, versuche mir eine kleine Villa am rechten Uferrand zu merken – für die Rückfahrt, man weiß nie. Kurz vor der Wende, Überholmanöver drei; das motiviert nochmal. Die Wende gelingt hervorragend, wir schaffen etwas Luft zu dem einzigen herankommenden Boot mit der Startnummer 115. Nach der Wende sind wir auf uns allein gestellt. Keine Überholmanöver mehr. Die Coxbox fällt aus, vielleicht wegen Überlastung. Wo ist die Villa? war es die mit dem Türmchen? Ach auch egal, dann zähle ich halt die Schläge von 100 runter. 100 Schläge sind knapp 1000m, mit Strömung müsste es mehr sein, dann sollte die Kirche kommen. Boris Hillen bemüht seine unnachahmliche Bassstimme und brüllt etwas von “20 auf die Beine!”. Anna behauptet, soweit man sie hören kann, wir würden gleich doch noch jemanden überholen, kämen zumindest ran. Mist, wo ist die Kirche! Hilfe! Egal, zähl’ ich halt nochmal 100 Schläge runter, das Ziel kann nicht mehr weit sein und tatsächlich, da ist die Coxbox wieder und mit ihr Anna laut und venehmlich, noch 20 Schläge sagt sie, dann waren es doch noch 30 und wir sind durch.
Belohnt wurden unsere Anstrengungen mit einem 10. Platz in einem Feld von 20 internationalen Mastersachtern. Ein Stachel bleibt: die Renngemeinschaft Frankfurt Nied / Höchst wurde siebter mit 30 Sekunden Vorsprung. Freunde, wir sehen uns nächstes Jahr in Basel wieder!
Ach ja, da war ja noch die Geschichte mit dem Rennen gegen Olli Zeidler. Nun, der war mit Startnummer 1 gestartet und wahrscheinlich schon unter der Dusche als wir mit laufender Nummer 112 an die Startlinie gingen. Der Mensch lebt nun mal von seiner Vorstellungskraft.