Olympiaqualifikation Top Team

Dieser Bericht soll unabhängig von der derzeitigen Pandemie einen Zwischenstand über die momentanen Vorbereitungen unserer besten FRG-Ruderer geben, denn noch vor wenigen Wochen hatten wir aus in unserem Verein fünf Sportler, die noch um die Tickets für die Olympischen Spiele 2020 kämpften sowie Valentin Luz, der sich für die Paralympischen Spiele vorbereitet.

Bei den Frauen Juliane Faralisch, Leonie Pless und Katrin Thoma– sowie Stephan Krüger und Nico Merget (alle FRG) und Marc Weber (Hassia Gießen). Nachdem die erste Olympiaprüfung, die Langstreckenregatta des DRVs über 6 km in Dortmund, Anfang Dezember 2019 mit dem wohl besten Ergebnis der FRG Geschichte absolvierte wurde, waren die Erwartungen natürlich bei Sportlern und Trainern hoch. Mit vier Siegen in den Bootsgattungen Frauen-Einer, Leichtgewichts-Frauen-Einer, Männer- und Frauen-Zweier ohne Stf. konnte man nicht mehr erste Plätze abräumen.

Drei Tage nach diesen vier historischen Siegen auf der Langstrecke gingen die DRV-Disziplingruppen in die verschiedenen Trainingslagerorte im Süden Europas. Die Skull-Männer mit Stephan Krüger und Marc Weber gingen nach Avis/Portugal, die Männer- Riemengruppe mit Nico Merget nach Sabaudia/Italien, Juliane Faralisch nach Ourence/Galizien in und die Leichtgewichts- Frauen gingen als Germaniatrainingsgruppe nach Andalusien. Ohne hier länger auf diese Trainingslager einzugehen zu können, war es das primäre Ziel aller Teilnehmer, sich für die anstehenden nationalen Qualifikationen zu empfehlen. Mit dieser nationalen Qualifikation in den Bootsgattungen W1x, W2-, LW2x, W2x, M2-, M4-, W4- und W8+ in der Tasche, würde es dann zur weltweiten Nachqualifikationsregatta in Luzern im Mai 2020 weitergehen, die nun aber wegen der Corona-Krise von der FISA abgesagt wurde. Leider war es dem Verband nicht möglich, diese Wettkämpfe zentral zu organisieren, denn es standen insgesamt vier Kleinboot-Überprüfungen (W1x, W2, LW2x, M2-) sowie die Besetzung der Rollsitze im M2x , W4-, W8+  in drei Ländern (Portugal, Spanien und Deutschland) verteilt über fast zwei Monate an. Den Anfang im Dezember 2019 machten die Skuller in Avis/Spanien. Hier durften nur diejenigen Skuller, die noch in der Zentralisierung in Ratzeburg sind, teilnehmen. Leider verletzte sich Stephan Krüger und konnte leider bei dieser wichtigen Überprüfung nicht teilnehmen. Marc Weber ruderte als Neuling in der DRV-Skullgruppe einen fantastischen zweiten Platz hinter Tim-Ole Naske ein, allerdings in Abwesenheit des Einer-Weltmeisters Oli Zeidler. Dieses Ergebnis stellt für die Nominierung für das Paradeboot der Skuller, dem 4x, dennoch eine gute Ausgangslage dar.

Im Januar 2020 war dann Nico Merget mit seinem Partner aus Münster in Portugal dran. In einem fantastischen Rennen sicherten sich beide, ausschließlich mit Booten aus dem Stützpunkt Dortmund besetzt, einen hervorragenden dritten Platz im Zweier ohne Stm. Somit war auch hier ein Platz im Paradeboot der Riemer, dem Achter, denkbar.

Ende Februar mussten dann noch Leonie Pless und Katrin Thoma im LW2x und Juliane Faralisch im Frauen -Einer bei den Skullerinnen der schweren Kategorie ran. Diese 2000m- Überprüfung wurde in Montemor de Vehlo in Portugal ausgetragen. Leider lief es hier in beiden Fällen nicht wie gewünscht. Bei den Leichtgewichts- Frauen bewarben sich drei Boote für das nationale Olympia-Ticket, Juliane musste in einem 10 Boote Feld ihre fantastischen Leistungen vom Ergometer (6:28 und Deutscher Rekord) und von der Langstrecke (Sieg im Einer) erneut prüfen.  Bei den Leichtgewichts- Frauen wurde nach dem Modus „best-of-three“ verfahren also, drei Rennen in zwei Tagen. Das erste Rennen wurde sehr deutlich von uns verloren und unsere Ruderinnen, die sich sehr akribisch vorbereitet hatten, wurden nur Drittr hinter den Olympiastarterinnen von Rio 2016 und einem Vereinsboot aus Leipzig. Am Nachmittag desselben Tages war dann schon das K.-o. Rennen für unseren beiden Vorzeigeathletinnen. Sie konnten dieses Rennen noch durch einen fantastischen Endspurt kurz vor der Ziellinie umbiegen für sich entscheiden. Mit einer Sekunde Vorsprung konnte das Rennen vor Dräger/Sturm ganz knapp gewonnen werden. Somit musste der nächste Tag entscheiden. Das Rennen wurde zunächst wegen Nebels auf den Mittag verlegt, dann gingen wieder die drei Zweier ins Rennen und leider verloren Katrin und Leonie dieses alles entscheidende Rennen mit 1,5 Bootslängen. Somit war hier bereits Endstation, da es ja bei den Leichtgewichten nur zwei Rollsitze pro Nation zu vergeben gibt.  Natürlich eine große Enttäuschung, denn insbesondere die hervorragende Vorbereitung der letzten drei Monate und auch die erzielten Leistungen im Training waren besser als an diesen beiden Tagen.

 

Juliane musste sich am selben Ort mit der Skullnationalmannschaft der Frauen im Einer messen. Es waren 10 Frauen-Einer in zwei Vorläufen am Start. Leider wurde hier ein Modus der Finalsetzung favorisiert, der sich nicht wie üblich nach der Platzierung der Vorläufe orientierte sondern der DRV setzte hier fest: das nur der Sieger der beiden Vorläufe in das Finale einzieht und dann alle nach Zeit. Eine sehr unglückliche Entscheidung, da sich im Rudern ja bekannter Weise innerhalb von wenigen Augenblicken der Wind ändern kann und erhebliche Unterschiede produzieren kann. Hinzu kam, dass es keine Starthelfer gab, dass keine elektronische Zeitnahme vorhanden war und die Zeitnahme nur per Hand und Funk erfolgte. So kam es, dass Juliane zwar Dritte in ihrem Vorlauf wurde, was unter normalen Umständen fürs Finale gereicht hätte, aber es durch den gewählten Modus  am Ende beider Vorläufe  sechs Frauen gab, die innerhalb von 1,5 Sekunden ins Ziel kamen. Wenn man die Windverhältnisse, die nicht klare Zeitmessung und das Ausrichten am Start berücksichtigt, kann man erahnen, wie unglücklich diese allein an der Fahrzeit orientierte Entscheidung war. Am Ende fand sie sich Juliane im B-Finale wieder und wurde dort Dritte. Momentan ist sie noch im Prozess der Mannschaftsfindung für den 2x.

Stephan Krüger und Marc Weber waren zum selben Zeitpunkt in Portugal und sollten auch drei Rennen in verschiedenen Kombinationen fahren, um den deutschen 2x auszufahren. Beide hessischen Sportler wurden trotz hervorragender individueller Leistungen im Einer und auf dem Ergometer nicht für den 4x berücksichtigt, was zu großem Unmut bei allen Beteiligten führte. Die Ausscheidung im 2x musste dann leider wegen Verletzung eines Sportlers nach dem ersten Rennen abgesagt werden. Hier steht also, wenn es überhaupt zu einer Regatta 2020 kommen sollte, noch alles in den Sternen.

Nico Merget und Felix Brummel (RV Münster) mussten, nachdem sie bei der Dortmunder Ausscheidung ja recht gut abgeschnitten hatten und dennoch nicht für den Achter und völlig unverständlicherweise auch nicht für den Vierer nominiert  wurden, vier Tage später in München zu einer weiteren Ausscheidung im Zweier ohne Stm. Hier ruderten vier deutsche Zweier, um die Möglichkeit zu erlangen, Deutschland bei der weltweiten Nachqualifikation zu vertreten. Der Modus war, wie bei den Leichtgewichts- Frauen, „best-of- three“.

Ein starker Zweier vom Berliner RC (Braun/Schmielau) lag im ersten Rennen im Ziel deutlich vor Nico und Felix. Hier konnte also auch, ebenso wie bei den Leichtgewichts Frauen, am Nachmittag bereits das zweite Rennen das entscheidende sein. Nachmittags ruderte dann die Kombination FRG/RV Münster ein sehr beherztes Rennen und gewann ihrerseits recht deutlich mit mehreren Sekunden Vorsprung. Somit war die Spannung für den nächsten Tag sehr groß und es sollte ein denkwürdiges Rennen werden. Bei 500m lagen die Berliner eine halbe Bootslänge vor, dann kam die Stunde von Merget/Brummel, die sich in den mittleren 1000m Schlag für Schlag wegschoben, da sie einen wesentlich effektiveren Streckenschlag hatten und sich eine Länge und ein bisschen Wasser bei 1500m erarbeiteten. Hier war das Rennen eigentlich schon fast entschieden, bis der Zweier vom Berliner RC mit seinem Schlagmann Anton Braun einen unglaublichen Endspurt mit sich steigernden Schlägen erst auf Sf 40, dann 42, dann auf bis zu 45 Schlägen pro Minute an dem Zweier von Nico bei 1800m vorbeizogen und eindeutig am Ende gewannen. Auch hier war natürlich die Enttäuschung natürlich groß, hatte man doch alles am Stützpunkt in Dortmund  mitgemacht, sämtliche Überprüfungen recht gut absolviert, um dann dennoch nicht berücksichtigt zu werden.  Der Zweier vom Berliner RC hingegen hatte alles richtig gemacht, sich komplett alleine vorbereitet und sich schließlich für diesen nationalen Ausscheidung auf die Sekunde genau fit gemacht.

Valentin Luz trainierte beim Bundestrainer Jochen Weber (Offenbach) das komplette Wintertraining. Er besuchte alle Lehrgänge und Trainingslager und möchte nach seinem B-Finale von der WM 2019 auch 2020 wieder im Mixed- Vierer sitzen. Da es hier keine internen Ausscheidungen gibt, stellt die Nachqualifikationsregatta auch hier die letzte Option für den Germanen dar, sich zu bewerben. Valentin der 2017 eine WM- Medaille in Sarasota im Mixed-Doppelzweier gewonnen hatte, war bereits 2016 im paralympischen Finale.

Bei der Abfassung dieses Artikels erreichte uns die Nachricht, dass die Olympischen Spiele aus 2021 verschoben werden. Somit ist der Druck der nationalen und internationalen Qualifikation zunächst erst einmal von den Athleten gewichen. Die FISA als auch der DRV müssen sich nun ein transparentes und nachvollziehbares System überlegen, um in den 8 Bootsklassen, die sich noch für Deutschland zu der olympischen Ruderregatta qualifizieren können, ein klare Linie der Nominierung vorzugeben.

RH