Wie geht es nun weiter

Für jeden Athleten und Athletin wird mit der Verschiebung der olympischen Spiele auf 2021 in die Lebensplanung eingegriffen. Unser Stephan Krüger schreibt uns aus Hamburg.

Liebe Germanen,

die letzten Wochen waren hart. Mit Sicherheit für alle von uns. Sich solchen Restriktionen ausgesetzt zu sehen, war bis zur Eindämmung der Corona-Epidemie weit außerhalb unserer Vorstellungskraft. Von der großflächigen Stilllegung des öffentlichen Lebens sind wir alle betroffen. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen sind wir alle dazu angehalten Ansammlungen von Menschen zu meiden, weiterhin wurde dies unterstützend das Angebot an verschiedensten Dingen des normalen öffentlichen Lebens zurückgefahren. Für viele heißt das alleine zuhause zu bleiben und zu warten.

Ein Ort des Zusammenkommens und Zusammenseins wie die Germania ist davon gleichermaßen betroffen. Denn das Zusammenkommen und Zusammensein vor/während und nach dem Rudern ist auf längere Zeit nicht möglich. Gerade aus Rücksicht und in Solidarität zu unseren älteren Germanen sollten wir dran denken wieso wir gerade nicht Sport machen und zusammen sein können. Umso mehr können wir auf die Zeit danach schauen und uns freuen uns alle gesund wieder zu sehen und die Gemeinschaft wieder zu leben.

Was mich betrifft, so wollte ich meine Ruderkarriere nach 15 Jahren in der Rudernationalmannschaft in diesem Jahr mit der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokyo beenden. Doch habe ich diese Rechnung ohne das Virus Covid-19 gemacht. Das IOC unter Thomas Bach mit Sicherheit auch nicht. Nachdem bereits Stück für Stück alle Regatten in diesem Jahr abgesagt wurden, hielt das IOC noch ziemlich lange dran fest, die Olympischen Spiele wie geplant stattfinden zu lassen. So als wäre nichts gewesen oder im Glauben immun gegen das Virus zu sein.

Für einen Sportler ist nichts schlimmer als Ungewissheit. Obwohl ich mir ausrechnen konnte, dass die Spiele entgegen der Ankündigungen des IOC verschoben würden, habe ich so weiter trainiert als würden sie trotz aller unmöglichen Gründe wie geplant stattfinden. Mit der Verkündung der restriktiven Maßnahmen zur Stilllegung des öffentlichen Lebens am 19.03.2020 hat mein Training nur noch im Keller stattgefunden immer noch in dem Glauben daran, dass alles wie geplant stattfindet. Also bin ich bis heute jeden Tag in meinen Wäschekeller gegangen, der mit einem Ergo, Therabändern, einer Hantelstange incl. Gewichten zum Kraftraum umfunktioniert worden ist um weiter Sport zu machen und die Form so gut es geht hochzuhalten. So fuhr ich den einen Tag 24km Ergo und machte Bauch-Beine-Po Training oder machte Krafttraining und lief nachmittags 15km.

Mit der „plötzlichen“ doch zu erwartenden Kehrtwende des IOC die Spiele um ein Jahr zu verlegen, wird nicht nur das weltgrößte Sportevent verschoben, was einen unvorstellbaren organisatorischen Aufwand bedeuten muss, sondern für das kleinste Element in diesem System – der Sportler – hat es auch massive Auswirkungen. Einige Sportler stehen vor dem beruflichen Start und haben alles danach ausgerichtet nach den Olympischen Spielen sowieso schon verspätet anzufangen. Das wiederum ein Jahr verschieben? Sich nochmal durch den deutschen Herbst kämpfen? Nochmal ein ganzes Jahr zu größten Teilen im Ausland Tränen und Schweiß fließen lassen?

Ich werde es machen. Mir macht Rudern einfach gesagt so sehr Spaß, dass ich alle Fragen mit ja beantworte. Und ich glaube dran, dass ich mit Marc Weber aus Gießen im Doppelzweier, vorne ankommen kann.

Bleibt froh und gesund.

Euer Stephan