Nachruf an Marc Krömer

Nachruf an einen ganz persönlichen Freund

von Ralf Hollmann

 

Plötzlich und unerwartet ist mein Freund Marc Krömer am 15.6.2020 zwei Tage vor seinem Geburtstag im Alter von 51 Jahren verstorben.

Mit diesem Nachruf möchte ich auch im Namen meines Vereins der Frankfurter RG Germania an ihn erinnern.

Ich bin tief bestürzt und traurig. Der Sportdirektor vom Mainzer Ruderverein und Geschäftsführer der Ruderwerkstatt Werner Kahl, war einer meiner engsten Vertrauten seit den 80ziger Jahren.

Gebürtig aus Kassel, ist Marc bereits in frühen Jahren mit der Leidenschaft zum  „Rudersport“ durch das Schulrudern angesteckt worden. Nach Abschluss des Abiturs zog es ihn nach Würzburg, wo er sein Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte begann. Eine sehr intensive leistungssportliche Karriere entwickelte sich dort. Geprägt war er besonders durch den Hallensischen Olympiatrainer und damaligen Landestrainer aus Sachsen-Anhalt, Klaus Ritter. Marc gewann zu dieser Zeit im LM2- den Frühtest, zusammen mit dem Karlstätter Ruderer Roland Händle. Die nachfolgenden WM-Nominierungen waren nur die logische Folge. Marc hat immer wieder von der strengen aber pädagogischen und werteorientierten Erziehung gesprochen. Diese sollte ihn einzigartig prägen.

Nach Beendigung der eigenen Karriere, stieg er direkt in seinem Heimatverein in Kassel als Jugendtrainer ein. Für ihn war es selbstverständlich, dass er seine Leidenschaft an junge Menschen weitergeben wollte. Bereits im ersten Jahr erruderten wir, in einem gemeinsamen hessischen Projekt, eine Achter-Goldmedaille auf den Deutschen Jugendmeisterschaften.

Erfolgreich ging es in Hessen in den nächsten Jahren mit dem Leistungssport voran.

Von 2001 an wirkte Marc in Wetzlar als Coach.  Als uns im selben Jahr auch die völlig unerwartete Nachricht vom viel zu frühen Tod des Firmengründers der Ruderwerkstatt Werner Kahl erreichte, sollte Marcs Leben eine weitere Wende nehmen. Er schloss seine beiden Studiengänge ab und übernahm die Geschäftsführung der hessischen Ruderwerkstatt. Diese führte er bis zu seinem letzten Tage zu einer der renommiertesten Ruderwerkstätten der Welt.

Zehn Jahre arbeitete er stets ehrenamtlich als Trainer in Wetzlar. Dann wechselte er zum Mainzer Ruderverein.

Dort wurde mit seinem Geschick, seiner Erfahrung, seinem unnachahmlichen Talent der Rhetorik und auch mit dem unermüdlichen Arbeiten (24/7), eine der erfolgreichsten Episoden in Mainz eingeläutet. Gemeinsam mit Trainerkollege und Freund Robert Sens gewannen sie viele Medaillen bei Deutschen Meisterschaften und Weltmeisterschaften. Im Jahr 2011 wurde der von Marc trainierte U23-Frauen Vierer Weltmeister in U23-Weltbestzeit, mit an Bord seine spätere Ehefrau Lea-Kathleen Kühne.

Marc war für mich persönlich seit 1986 einer der engsten Freunde und Diskutanten, mit dem ich nächtelang diskutierte. Wir wohnten zwei Jahre in Gießen zusammen, wo wir gemeinsam mit unserem Freund Oliver Palme 1999 Rudern1 gründeten und über jedes Ruderrennen berichteten. Marc beeindruckte mich mit seinem einzigartigen Wissen und seinem ausgeprägtem Sinn an Strategie und Weitblick immer wieder. Es gibt heute selten solche Persönlichkeiten, die den Rudersport in allen Facetten so intensiv vorwärtsgebracht haben, wie Marc Krömer. Er war ein Weltklasse Coach, ein väterlicher Freund für seine Aktiven, immer und überall auf der Welt als Händler für Filippi-Boote im Servicebereich der Regatten zur Stelle. Auch wenn Sportler mit Booten anderer Fabrikate zu ihm kamen, half er wie er nur konnte. Er holte mich nachts um 3:30Uhr von der Autobahn ab, als mal wieder einer der vielen Busse liegen blieb. Er war Visionär, war ein extrem kritischer Geist für sportpolitische Strukturen und uns konnte er einfach nur begeistern.

Ich habe einen der letzten dieser Art kennengelernt und unsere Lebenslinien haben sich seit fast 30 Jahren täglich gekreuzt. Noch am Tag des nicht zu erklärenden Todes telefonierte ich mit ihm zwei Stunden vorher. Nicht mehr mit ihm stundenlang über das Rudern zu philosophieren, über Strategien zu reden, über Boote im Allgemeinen zu reflektieren, ist für mich kaum vorstellbar. Es wird, denke ich, sehr lange dauern diesen Schmerz zu verkraften.

Meine Gedanken sind bei Ehefrau Lea und seinen Eltern Renate und Erhard. Noch eine Woche vor dem viel zu frühen Tod, saßen wir bei mir auf dem Balkon und grillten und schmiedeten Pläne für die Zukunft in unserer Region Frankfurt/Mainz.

„Nur die besten sterben jung“, war eines unserer Lieblingslieder, welches wir zig-mal zusammen auf all den Fahrten um den Erdball hörten.

Ein ganz Großer ist nun auch viel zu früh von uns gegangen, die Lücke ist nicht zu schließen.

Danke, dass wir einen solch langen Weg zusammen gehen durften.