“Da will man endlich auf die Rennstrecke” – Interview mit dem hessischen Männerdoppelzweier

Endlich ist es soweit. Nachdem die größeren Ballsportarten nach der Corona-Pandemie wieder ihren Betrieb aufgenommen hatten, wird nun auch den Ruderern ein würdiger Abschluss der Saison gewährt. Am kommenden Wochenende findet mit der Ruder-EM in Poznan(POL) der Höhepunkt der Saison statt. Im Männerdoppelzweier tritt mit Stephan Krüger und Marc Weber (Gießen) ein rein hessisches Boot an. Im Vorfeld haben wir die beiden Sportler interviewt, um einen kleinen Einblick in das Boot und ihre diesjährige Saison zu erhalten.

 

Stephan, du bist seit langem im Rudergeschäft unterwegs. Die Saison ist sicher einzigartig (gewesen). Wie hast du die Verschiebung der Olympischen Spiele wahrgenommen und was waren deine Gedanken?

Stephan Krüger: “Die Verschiebung der Olympischen Spiele ist bisher einmalig in der Geschichte. Seit jeher wird in den olympischen Sportarten in Vier-Jahres-Rhythmen gedacht und trainiert. Das wird gerade total auf den Kopf gestellt. Man stellt dann fest, wie groß das Ausmaß der Corona-Pandemie ist, wenn die größte Sportveranstaltung der Welt nicht wie geplant stattfinden kann. Die Verschiebung für mich als älteren Sportler bedeutet – um es positiv auszudrücken -, dass ich ein Jahr länger auf höchstem Niveu rudern darf. Ich sehe das auch als Glück, weil mir das Rudern unheimlich viel Spaß macht. Ich finde, dass man das beste aus der Situation machen sollte. So habe ich ein Jahr länger Zeit mich mit Marc zusammen vorzubereiten. “

Seit wann rudert ihr zusammen? Wie ist die Kombination entstanden?

Stephan Krüger: “Wir rudern ungefähr seit Januar 2020 zusammen. Das war jedoch nicht durchgängig so, da wir im Doppelzweier im Gegensatz zum Vierer, versucht haben, über das Ausfahren aller möglichen Zweier-Kombinationen den schnellsten Zweier zu finden und zu bilden. Das waren nach verschiedenen Kriterien und Zweier-Rennen am Ende Marc und ich, die sich da herauskristallisiert haben. Anfang August haben wir dann das “Go” von den Trainern bekommen um zusammen zur EM zu fahren.”

Marc Weber: “Es ist also quasi noch eine ganz neue Kombination, die wir jetzt erstmal einfahren müssen. Das hat die letzten Wochen zum Glück aber schon sehr gut geklappt.” 

 

Was macht eure Kombination schneller und effektiver als andere? Welche Methoden und Philosophie verfolgt ihr im Training und was sind eure Ziele im Hinblick auf die Olympischen Spiele?

Stephan Krüger: “Ganz einfach gesagt: Es ist die Kombination aus jungendlicher Unbedarftheit und jahrelanger Erfahrung. Ich habe das Gefühl mit Marc jemanden an der Seite zu haben, der sehr ehrlich ist. Das macht es manchmal nicht einfach für mich, wenn das Boot nicht ganz so läuft, wie es das eigentlich sollte. Aber ich verspüre dann immer den Antrieb es besser zu machen und mich unserer gemeinsamen Idee vom Rudern wieder vollends hinzugeben. Außerdem hilft es uns sehr eine ähnliche Vorstellung vom Ruderschlag zu haben, da wir beide einen hessischen Einschlag haben. Das macht Vieles einfacher und am Ende auch schneller. Unser Motto, das wir verfolgen ist immer locker zu bleiben. Deswegen wird es bei uns im Boot nie langweilig. Wir haben immer was zu lachen.”

Marc Weber: “Ja, wie Stephan schon sagt, es ist eine sehr gute Mischung aus unterschiedlichen Schwerpunkten. Ich bin ein sehr temperamentvoller Ruderer; da bin ich auch nicht immer einfach wenn es mal nicht so gut läuft, dafür aber umso euphorischer wenn wir eine richtig gute Einheit haben. Stephan ist da etwas ruhiger vom Typ her und wir ergänzen uns da ziemlich gut.”

Wie groß ist die Vorfreude auf die EM?

Stephan Krüger: “Ich freue mich auf die EM, da das neben unseren nationalen Ausscheiden im Zweier, die einzige Regatta in diesem Jahr sein wird. Endlich können wir beide zeigen, wie gut wir uns zusammengefunden haben. Außerdem bieten Wettkämpfe immer die Chance sich noch einmal zu steigern und erst so richtig zu einer Einheit zu werden. Ich bin einfach sehr gespannt:).
Mit der Strecke in Poznan hatte ich bisher immer sehr gute Erfahrungen. 2009 bin ich dort Weltmeister im Doppelzweier geworden und 2015 mit Marcel Hacker Europameister! Mal schauen wie es dieses Jahr aussieht.”

Marc Weber: “Ich freue mich rießig auf die EM. Ich komme ja gerade erst aus dem U23 Bereich und sie wird mein erster internationaler Wettkampf in der offenen Altersklasse sein und auch mein erster internationaler Wettkampf im Zweier. Außerdem ist sie die Belohnung nach neun Monaten harter Selektion. Da will man endlich auf die Rennstrecke.”

 

Was erhofft sich das Team von der EM?

Marc Weber: “Das ist in Zeiten der Corona-Pandemie natürlich immer schwer zu sagen. Wir kommen gerade erst aus einer dreiwöchigen Sommerpause und auch unsere Trainer legen den Fokus eher langfristig auf Olympia als auf die EM. Dennoch ist Stephan und mir die EM sehr wichtig. Wir wollen beide zeigen was wir uns in den letzten Monaten hart erarbeitet haben und unsere Positionen im Doppelzweier mit einem guten Ergebnis festigen. Außerdem ist es – denke ich – in unserer beider Natur bei so einem Wettkampf 110% zu geben.”

Welche Bedeutung hat eine solche EM, wenn die Vorbereitung für jede Nation anders verlaufen ist?

Stephan Krüger: “Wie sich die anderen Nationen in den letzten Monaten vorbereiten konnten, ist wohl eine der großen Fragen, die im Vorfeld der EM offen sind. In vielen Ländern Europas gab es deutlich striktere Anti-Corona Maßmaßnahmen als in Deutschland. Das Ergebnis der EM wird somit auch unter einem anderen Stern erscheinen und muss auch dementsprechenend eingeordnet werden. Aber keiner von uns weiß, wie die Welt über den Winter kommt und welche Maßnahmen von den einzelnen Staaten ergriffen werden, um der Situation um die Corona-Situation in den Griff zu bekommen. Insofern kann es sogar sein, dass sich die Situation bis zum nächsten Jahr in einigen Ländern kaum verändert. Ich denke, dass wir in Deutschland bisher sehr viel Glück gehabt haben. Bis auf den Lock-Down im April, gab es bei uns so gut wie kaum Einschränkungen was das Training anging.”

Marc Weber: “Dem kann ich mich anschließen.”

Wie plant ihr euren Winter?

Stephan Krüger: “Der Winter ist bereits sehr durchgetaktet. Wir werden sozusagen in Portugal “überwintern”. Ab Beginn des Novembers bis hin zum März werden wir wechselweise zwei Wochen in den Trainingslagern in Portugal und zuhause verbringen.”

Marc Weber: “Man sagt ja immer: Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht. Das sieht man unserem Trainingsplan auf jeden Fall an. Viele Trainingslager, 1500 Trainingsminuten und 150-200 Bootskilometer in der Woche sprechen da glaube ich für sich.”

 

Die Fragen stellte Moritz Bock.