Gedanken von Stephan Krüger

Liebe Germanen,

als wäre der Winter ohnehin nicht schon eine für den Ruderer harte Zeit im Ruderjahr, wird diese zweifelsohne noch einmal härter. In „normalen“ Zeiten heißt Wintertraining bei kalten Temperaturen, grauem Himmel mit Nieselregen und kurzen Tagen solange es geht draußen Kilometer zu sammeln. Die Alternative heißt andernfalls die Kilometer drinnen auf dem Ergo zu sammeln, was nichts Anderes heißt als 90 Minuten auf der Stelle zu sitzen und sich das Display anzusehen. Wettkämpfe sind in diesen sauren Zeiten auch eher rar. Kurzum der innere Schweinhund wird ganz schön groß und bekommt ganz schön viel Auslauf – eine Herausforderung für die Eigenmotivation.

Als wäre das alles nicht schon genug, befinden wir uns gerade in einer der schwierigsten Phasen, die wir bisher in dieser Pandemie verzeichnen konnten. In welcher Form und ob die WeltCup-Serie Anfang April ausgerichtet werden soll, kann und traut sich wohl noch keiner zu sagen. Das stellt sich ganz schnell die Frage: „Warum und wofür macht man das alles?“.

Wenn ich ganz ehrlich bin, hoffe ich ganz stark, dass irgendwie die Olympischen Spiele in Tokyo stattfinden werden – in welcher Form auch immer. Das ist mein aktueller Treiber. Andererseits sind die Spiele gefühlt momentan gerade durch die unsichere Situation unwahrscheinlich weit weg. Ein halbes Jahr hat sich noch nie so weit weg angefühlt.

Zwei von bisher vier geplanten Trainingslager in Portugal wurden entweder kurzfristig zwei Tage vorher abgesagt oder umgeplant. Ob die verbleibenden zwei wie geplant stattfinden, darf man aufgrund der sich so schnell ändernden Umstände auch anzweifeln. Was ich sagen möchte ist, dass Ganze einer Achterbahnfahrt des Gemüts gleicht. Es geht hin und her und keiner weiß, was als nächstes kommt. Das steht im Gegensatz zu einer von vorne bis hinten weit im Vorhinein durchgetakteten Saison, wo alles aufeinander abgestimmt ist.

Um sich mit dieser Situation zu arrangieren, konzentrier ich mich mehr auf das hier und jetzt. So komisch das klingen mag, ich versuche jede Einheit einfach zu genießen und egal wie anstrengend die auch sein mag dem Ganzen etwas Gutes abzugewinnen. Ich werde mir bewusst wie unheimlich privilegiert ich bin, weiterhin rudern zu dürfen, wo andere schon seit Wochen zuhause bleiben müssen. Außerdem bewege ich mich in dreiwöchigen Zeitblöcken. Das kann ich überschauen, da ein Trainingslager genau diesen Zeitraum abbildet. Somit kann ich mir erreichbare Ziele stecken und sei es eben am Ende eines Blocks wieder ein ganz kleines bisschen besser/fitter rauszugehen wie man reingegangen ist, mir erneut Ziele stecken und mich erneut auf veränderte Umstände einstellen.

Auf diesem Wege, bleibt gesund und lasst euch nicht kleinkriegen.

Euer Stephan