Interessengemeinschaft Leistungssport treibender Rudervereine Deutschlands (IGL)

Der Spitzensport in Deutschland wird umgekrempelt. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will bis 2018 eine Reform umsetzen, die er selbst die größte Umstrukturierung seiner Geschichte nennt. Auch im deutschen Rudersport gibt es deshalb massive Änderungen. Drei Leitstützpunkte sind eingerichtet worden, das Training auch bereits junger Kadersportler soll zentralisiert, der Spitzensport aus den Vereinen systematisch herausgelöst und durch die Verbände an Stützpunkten organisiert werden. Von einer „Konzentration auf das Wesentliche“ spricht der Deutsche Ruderverband (DRV). Doch kritische Fragen nehmen zu; Widerstand regt sich: In Frankfurt am Main traf sich am 4. März 2017 die „Interessengemeinschaft der großen leistungssportlichen Vereine“ und verabschiedete eine „Frankfurter Erklärung“.

 

Gründungsmitglieder

Gründungsmitglieder sind die Vereine Berliner Ruder-Club, Frankfurter Rudergesellschaft Germania, Hallescher Ruderverein, Mainzer Ruder-Verein, RTHC Leverkusen; die Vorsitzenden bzw. Sportvorsitzenden dieser Vereine bilden auch den ersten Vorstand der IGL.
 
Vorstand
Heiko Köpke - Vorsitzender
Martin Steffes-Mies  – Kommunikation
Stephan Bub – Finanzen
Gerhart Marchand – Recht
Lothar Trawiel – Sport

 
Vereinszweck
Die Pflege und Förderung der Belange des Ruder-Leistungssports in Deutschland sowie die Meinungsbildung und Vertretung von im Leistungssport engagierten Vereinen und Personen.
 
 
Weitere Informationen
Website → https://igl-rudern.de
Facebook → IGL

Frankfurter Erklärung

Grundsätzliches (Präambel)
Die Teilnehmer formieren sich zu einer Allianz der Leistungssport treibenden Rudervereine Deutschlands. Die Interessengemeinschaft wird für die Formulierung und Durchsetzung der nationalen Interessen der Vereine, die Heimat und Sprachrohr ihrer mündigen Athleten sind („Verband der Vereine“), eintreten.

Die Vereine stellen mit ihrer Arbeit und ihrer Finanzierungskraft die Basis des Erfolges und die Legitimität von Sportförderung dar (welche die Grundlage ist für subsidiäre Förderung durch Bund und Länder); die Leistungen von Sportverbänden rechtfertigen keineswegs einen ausschließlichen Steuerungsanspruch gegenüber Athleten, Eltern, Heimtrainern, Vereinen

Konkrete Forderungen
Betreffend das Verhältnis DRV – Vereine und die Rolle der Vereine im DRV bezüglich des Leistungssportbereichs:

  • der DRV muss seine Organisationsstruktur i.S. einer Corporate Governance weiterentwickeln
  • die IGL fordert i.S. einer Corporate Governance qualifizierte Mitsprache-, Mitgestaltungs- und Kontrollrechte in einem noch zu definierenden Gremium des DRV
  • der Ausschuss Leistungssport wird auf Basis des geltenden Grundgesetzes mit neuer Geschäftsordnung und Befugnissen aufgesetzt. In diesem Ausschuss wird die IGL qualifiziert vertreten sein: jeder Verein im DRV, der in den jeweils letzten acht Jahren mit Athleten in der A-Nationalmannschaft vertreten war, hat automatisch einen Sitz im Ausschuss Leistungssport

Betreffend die aktuelle Leistungssportreform:

  • es ist eine grundlegende Forderung der IGL, dass die Einzelheiten der Leistungssportreform mit den Leistungssport treibenden Vereinen diskutiert werden und ein Konsens erreicht wird. Bis zu diesem Zeitpunkt fordern wir ein Moratorium bezüglich der Umsetzung der aktuellen Reformaktivitäten
  • der überwiegende Teil der Gesamtkosten des Hochleistungsruderns wird von den Vereinen bestritten; daraus abgeleitet fordern wir einen ganzheitlichen Ansatz, der die Vereine und durch sie repräsentiert ihre regionalen Unterstützer einbezieht und den Sport als deren Gemeinschaftsaufgabe begreift; ein effizientes Sportfördersystem braucht Transparenz bezüglich der Gesamtkosten leistungssportlicher Karrieren, der Kostenträger und der Einnahmequellen (auch, um Solidarität zugunsten des Spitzensports zu organisieren)
  • unser Standpunkt, über den wir gerne diskutieren wollen, ist u.a. folgender:
    • wir halten Zentralisierung und Konzentration mit Ausnahme des Männer- und des Frauenachters nicht für zweckmäßig; stattdessen bevorzugen wir offenen Wettbewerb und Chancengleichheit der Ruderzentren (kein Zwang, keine Sanktionen) – der Athlet wählt das für ihn attraktivste Angebot (Zentrumsausprägung i.S.v. Ausbildungs-/Studienmöglichkeiten, Infrastruktur, Trainingskonzepten, regionale Struktur)
    • Die Bundestrainerstruktur muss verbessert werden: weniger zentrale, mehr regionale Aufgaben; darüber hinaus Aufwertung der Rolle von Trainern
    • die Nominierungsweise für Trainer und Athleten muss angepasst werden:
      • nicht ausschließlich Bundestrainer (Stärkung des Wettbewerbs)
      • Trainer mit dem schnellsten Kleinboot und/oder den meisten Athleten
      • für Aktive gerechte, transparente, wettbewerbsfördernde, leistungsgerechte Nominierungskriterien (wann?, wo?)
      • für Aktive, die nicht im 1. Boot sitzen, ein Auffangmodell/alternative Startmöglichkeiten
      • Berücksichtigung von Aktiven, die zeitweise im Ausland sind

Die aktuelle Liste der Vereine, die der Frankfurter Erklärung zustimmen (Stand 7.3.2017): Berliner Ruderclub, Frankfurter Rudergesellschaft Germania, Mainzer Ruder-Verein, Hannoverscher Ruder-Club, Ruderverein Münster, Ulmer RC Donau, RTHC Leverkusen, Koblenzer Ruderclub Rhenania, Treviris Trier, DRC Hannover, Limburger CfW, Dresdner Ruder-Club, Offenbacher Ruderges. UNDINE, Ratzeburger RC