3.9.2026

Weltmeisterschaft: Medaillenregen aus Amsterdam

Die Frankfurter Rudergesellschaft blickt auf eine außergewöhnliche Weltmeisterschaftswoche auf der Bosbaan in Amsterdam am letzten Augustwochenende zurück. Unsere Athletinnen und Athleten haben die Germania auf der internationalen Bühne eindrucksvoll vertreten, mit zwei Weltmeistertiteln, einer Silbermedaille und zahlreichen Finalteilnahmen.

Oliver Zeidler – zurück auf dem WM-Thron

Der sportliche Höhepunkt aus Germania-Sicht war einmal mehr Oliver Zeidler.

Im Einer setzte sich Oliver in einem hochklassigen Finale durch und sicherte sich mit 6:35,22 Minuten seinen vierten Weltmeistertitel. Nach seinen Erfolgen 2019, 2022 und 2023 ist Oliver damit nun zum vierten Mal Weltmeister im Einer. Der DRV bezeichnete den Sieg als seine Rückkehr „auf den Thron“. Besonders beeindruckend ist dabei die Konstanz, mit der Oliver die Saison bestritten hat. Bereits vor der WM hatte er alle seine vier Regatten des Jahres gewonnen. Nach dem Europameistertitel folgte nun auch der Weltmeistertitel.

Für die Germania ist es ein außergewöhnliches Privileg, einen solchen Ausnahmesportler in den eigenen Reihen zu wissen.

Valentin Luz – Weltmeister und erfolgreiche Titelverteidigung

Auch Valentin Luz durfte in Amsterdam ganz oben auf dem Siegerpodest stehen.

Gemeinsam mit Kathrin Marchand gewann er im PR3 Mixed-Doppelzweier den Weltmeistertitel. Damit gelang dem Duo die erfolgreiche Verteidigung des Weltmeistertitels.

Für Valentin war dieser Erfolg deshalb besonders: Einen Titel zu gewinnen ist eine Sache. Ihn ein Jahr später unter dem Druck der Titelverteidigung erneut zu holen, noch einmal etwas ganz anderes. „Wir sind besonders stolz darauf, zum ersten Mal den WM-Titel verteidigt zu haben und dass wir den Erwartungen gerecht werden konnten.“

Marc Weber – Silber, deutscher Rekord und ein außergewöhnliches Rennen

Einen herausragenden Auftritt zeigte Marc Weber im Männer-Doppelvierer.

Gemeinsam mit Felix Heinrich, Jonas Gelsen und Ole Hohensee startete Marc mit einem souveränen Vorlaufsieg in die Weltmeisterschaft. Im Halbfinale folgte Platz zwei, bevor das Quartett im Finale um den Titel kämpfte.

Das Rennen entwickelte sich zu einem echten Krimi. Deutschland lag lange in Führung, bevor Italien auf den letzten Metern vorbeiziehen konnte.

Noch bemerkenswerter: Die Zeit von 5:34,46 Minuten bedeutete einen neuen deutschen Rekord im Männer-Doppelvierer. Es war außerdem die erste WM-Medaille für einen deutschen Doppelvierer seit 2015.

Marc brachte die Stimmung nach dem Rennen treffend auf den Punkt: „Wir haben nicht Gold verloren, sondern Silber gewonnen.“ Und genau diese Einstellung passt zu diesem Rennen. Das Quartett hat sich in Amsterdam mit einem deutschen Rekord und einer WM-Silbermedaille belohnt.


Hannah Reif – zwei Bootsklassen, zwei unterschiedliche Herausforderungen

Für Hannah Reif war Amsterdam eine intensive Weltmeisterschaft.

Im Vierer ohne Steuerfrau ging sie gemeinsam mit Paula Hartmann, Annabelle Bachmann und Pia Greiten an den Start. Nach dem Vorlauf qualifizierte sich das Quartett mit einem starken dritten Platz im Halbfinale für das A-Finale. Dort belegte das Boot den sechsten Platz. Für Hannah war die WM damit allerdings noch nicht beendet.

Im Mixed-Achter wartete am Sonntag ein zweiter Einsatz. Hannah und ihr Team belegten am Ende den fünften Platz. Zwei unterschiedliche Rennen, zwei unterschiedliche Herausforderungen – und jede Menge internationale Erfahrung für die Vizeeuropameisterin.

Juliane Faralisch – eine lange WM-Woche

Auch Juliane Faralisch absolvierte in Amsterdam ein besonders umfangreiches Programm mit insgesamt 6 Rennen.

Im Frauen-Doppelvierer ruderte sie gemeinsam mit Maren Völz, Johanna Debus und Frauke Hundeling. Das Quartett hatte über die gesamte Saison hinweg eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in ihm steckt. Entsprechend groß waren die Erwartungen für die Weltmeisterschaft.

In Amsterdam erreichte der Doppelvierer souverän das A-Finale. Dort sollte es allerdings nicht zum erhofften Happy End reichen: Unter schwierigen Windbedingungen belegte das Boot den sechsten Platz. Eine WM-Platzierung kann nicht auslöschen, was Juliane und ihre Mannschaftskolleginnen über die gesamte Saison geleistet haben: Weltcup-Medaille, Vizeeuropameistertitel und konstant starke Auftritte auf internationaler Ebene.

Und für Juliane war damit noch nicht Schluss.

Mixed-Doppelzweier – Wetter sorgt für Time Trial


Gemeinsam mit Arno Gaus startete Juliane zusätzlich im Mixed-Doppelzweier in einem breiten Meldefeld von 16 Booten.

Auch hier machte das Wetter den ursprünglichen Rennplan zunichte. Wegen des starken und wechselnden Windes wurde der Wettbewerb zunächst als Time Trial ausgetragen. Statt eines klassischen Vorlaufs ging es also direkt darum, die eigene Zeit möglichst schnell über die Strecke zu bringen.

Juliane und Arno meisterten diese ungewohnte Situation und kämpften sich anschließend durch den weiteren Wettbewerb bis ins A-Finale und beendeten die WM mit einem 6. Platz.

Damit war Juliane in Amsterdam gleich in zwei Bootsklassen im A-Finale vertreten – eine besondere Belastung und zugleich ein eindrucksvoller Beleg für ihre Vielseitigkeit.

Theis Hagemeister – ein persönliches Heimspiel

Für Theis Hagemeister war Amsterdam vielleicht der persönlichste Ort dieser Weltmeisterschaft. Die Bosbaan ist für ihn nicht einfach irgendeine Regattastrecke. Theis hat einen Teil seiner Jugend in den Niederlanden verbracht und dort gerudert. Nun ausgerechnet hier eine Weltmeisterschaft zu fahren, machte diese WM für ihn zu einem ganz besonderen Erlebnis.„Ich habe mich besonders gefreut dass die WM inAmsterdam war, der Ort an dem ich viel gerudert bin in meiner Zeit vor der deutschen Nationalmannschaft. Es macht mich stolz wie wir uns als 8er dieses Jahr entwickelt haben."


Sein Weg durch die Weltmeisterschaft war dabei ungewöhnlich.

Der Vorlauf des Männer-Achters wurde aufgrund der schwierigen Windverhältnisse als Time Trial ausgetragen. Theis konnte krankheitsbedingt nicht im Boot sitzen. Der deutsche Achter belegte trotzdem mit 5:31,70 Minuten den zweiten Platz.

Im Halbfinale war Theis wieder an Bord. Mit 5:25,88 Minuten belegte Deutschland den dritten Platz und qualifizierte sich für das A-Finale.

Dort entwickelte sich eines der schnellsten Achterrennen der WM. Deutschland kam in 5:20,71 Minuten auf den vierten Platz. Die Niederlande gewannen vor Großbritannien und Australien und stellten dabei einen neuen Weltbestwert auf.

Für Theis und seine Mannschaft war der vierte Platz deshalb sicherlich bitter. Gleichzeitig zeigt das Ergebnis, wie nah der Deutschland-Achter inzwischen wieder an der Weltspitze ist.


Eine Bosbaan voller Rudersport

Neben den sportlichen Leistungen wird vor allem eines von dieser Weltmeisterschaft in Erinnerung bleiben: die unfassbare Stimmung an der Bosbaan.

Über die gesamte Woche hinweg waren unglaublich viele Menschen an der Strecke. Familien, Vereine, ehemalige Ruderer, Fans und einfach Menschen, die sich für den Rudersport begeistern. Sie alle sorgten dafür, dass die Weltmeisterschaft in Amsterdam weit mehr war als eine Regatta.


Wenn tausende Menschen gemeinsam die letzten 500 Meter eines Rennens verfolgen, die Boote um jede Sekunde kämpfen und die Lautstärke mit jedem Schlag zunimmt, bekommt Rudern eine ganz eigene Energie.

Und vielleicht ist genau jene Energie, die wir aus Amsterdam mit nach Frankfurt nehmen können: die Begeisterung für unseren Sport, das gemeinsame Mitfiebern und das Gefühl, dass große Leistungen noch schöner werden, wenn man sie gemeinsam erlebt.

Herzlichen Glückwunsch an Hannah, Juliane, Marc, Valentin, Oliver und Theis und natürlich an alle Trainer und Unterstützer, die diese Leistungen möglich machen.

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